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Ego ist out

Montag, 2. November 2015 von Till Kraemer

Angsterfüllt versucht das Rind sich umzudrehen, doch der schmutzige Gang des Schlachthofes ist zu eng. Der Gang führt nur in eine Richtung, in Richtung Tod. Stromschläge drängen das hilflose Tier seinem Ende entgegen. Kurze Zeit später: Bolzenschuss. Ein weiteres Leben sinnlos ausgelöscht. Todesstrafe für Unschuldige – Speziesismus macht’s möglich.

Warum töten wir ohne Not? Warum führen wir Kriege? Warum sind wir grausam? Fragen, die uns Unity zärtlich um die Ohren haut.

Unity fliegt im Zeitraffer durch die Menschheitsgeschichte, kratzt überall mal ein bisschen an der Oberfläche, streut ein paar wilde Thesen ein, gibt einen ordentlichen Schuss „Go vegan!“ dazu, verrührt alles kräftig und schließlich kommt raus: Liebe ist die Lösung für all unsere Probleme. Sorry für den Spoiler.

Macht es sich Unity ein bisschen einfach oder ist es am Ende vielleicht tatsächlich alles so einfach? Man darf skeptisch sein. Von Unity habe ich mir mehr versprochen, aber ich gebe zu: Meine Erwartungen waren sicher zu hoch. Der „What is the ultimate goal of your life?“-Unity-Trailer letztes Jahr hat mich umgehauen. Der beste Trailer, den ich je gesehen habe. Bei Weitem. Unzählige Male habe ich ihn mir angeschaut. Unzählige Male habe ich geweint, unzählige Male hatte ich Gänsehaut – oder antispezisistisch korrekt ausgedrückt: Noppenhaut.

Einige kritisieren an Unity die deutliche Veganismus-Forderung, aber das sagt vermutlich mehr über die Kritiker aus, als über Unity. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn neben Momenten, die Hoffnung geben, erwartet den Zuschauer mitunter wirklich kranker Scheiß. Unglaublich, wie wir mit uns und nichtmenschlichen Tieren umgehen.

Bei der „Auswahl“ der Sprecher sind die Unity-Macher ein bisschen durchgedreht: In Unity tragen nicht weniger als 100 prominente Sprecher mal mehr, mal weniger Geistreiches vor. Teilweise sprechen sie großartig, teilweise pathetisch. Viele Stimmen für eine Sache – vielleicht passt das gut zum Thema, aber es bleibt doch ein deutlicher Beigeschmack von „Guck mal, wer bei unserem Film alles Tolles mitgemacht hat“-PR-Hascherei. Ich weiß, der Film muss irgendwie verkauft werden, aber muss man Celebrity Placement so exzessiv betreiben? Der ständige Sprecher-Wechsel ist echt anstrengend, um nicht zu sagen nervig – ich fühle mich halt ein bisschen so, als wenn 100 Leute gleichzeitig auf mich einreden.

Unity ist plakativ und naiv. Unity hat ganz klar seine Schwächen und trotzdem: Immer wieder bin ich ergriffen, während dieser 99-minütige Werbespot für Mitgefühl auf mich niederprasselt. Der Film bietet einen schönen Soundtrack und jede Menge starke Bilder; Bilder, die nachwirken. Wirklich neue Erkenntnisse habe ich durch Unity allerdings nicht gewonnen. Es bleibt dabei: Bau keine Scheiße. Sei liebevoll.

Bewertung: 4 Sterne